Im März 2026 reiste eine Delegation des Vereins Hand für Afrika gemeinsam mit Gästen in den Senegal. Ziel der Reise war es, bestehende Projekte zu besuchen, die feierliche Einweihung des Collège Paul VI in Diourbel zu begleiten sowie gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen neue Entwicklungsprojekte zu evaluieren. Gleichzeitig bot die Reise Gelegenheit, sich persönlich von der nachhaltigen Wirkung früherer Projekte zu überzeugen und den direkten Austausch mit unseren lokalen Partnern zu pflegen.

Die eindrücklichen Begegnungen mit Kindern, Lehrpersonen, Ordensgemeinschaften und der Dorfbevölkerung haben einmal mehr gezeigt, dass die Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender dort ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Der folgende Reisebericht gibt einen Einblick in diese intensive und bereichernde Woche.

Montag, 16. März 2026: Anreise und Ankunft in Westafrika

Nach einer rund neunstündigen Reise über Brüssel erreichte die Delegation des Vereins „Hand für Afrika“ mit Gästen am späten Abend die senegalesische Hauptstadt Dakar. Beim Verlassen des Flugzeugs empfing die Reisenden die charakteristische Abendwärme des Landes – der Startpunkt für eine intensive und ereignisreiche Woche.

Der Senegal präsentiert sich als ein Land der Kontraste und der Vielfalt. Mit einer Fläche von rund 196.000 Quadratkilometern ist das Land etwa fünfmal so gross wie die Schweiz, beheimatet jedoch mit knapp 19,5 Millionen Einwohnern nur gut doppelt so viele Menschen. Die Bevölkerung ist stark ungleich verteilt: Fast die Hälfte der Einwohner lebt in urbanen Zentren, wobei allein im Ballungsraum der Hauptstadt Dakar rund vier Millionen Menschen konzentriert sind. Auch kulturell ist das Land extrem vielfältig und vereint über 20 verschiedene Ethnien, unter denen die Wolof (ca. 40 %), Fulbe (Pulaar) und Serer die grössten Gruppen bilden. Während Französisch als offizielle Amtssprache fungiert, gilt Wolof als die wichtigste Verkehrssprache, die von rund 80 % der Bevölkerung verstanden wird. Wirtschaftlich ist der Senegal traditionell stark von der Landwirtschaft – insbesondere dem Erdnussanbau für den Export – und dem Fischfang geprägt. Heute trägt der Dienstleistungssektor den grössten Teil zum Bruttoinlandsprodukt bei, während der Bergbau (Gold, Phosphate) sowie die seit 2024 aktive Förderung von Erdöl und Erdgas vor der Küste massiv an Bedeutung gewonnen haben.

Kurz vor Mitternacht erreichte die Gruppe ihre Unterkunft für die kommenden Tage, das Maison du Prêtre. Der erste Abend klang im gemeinsamen Austausch und bei einem traditionellen Willkommenschluck mit den senegalesischen Freunden vor Ort aus.

Dienstag, 17. März 2026: Gesundheitsversorgung in Ngascop und Schulcampus Bambey

Der erste Projekttag führte die Gruppe zunächst nach Ngascop. Die dortige Krankenstation, die im Jahr 2022 mit Unterstützung des Vereins eröffnet wurde, gilt heute als Musterbeispiel für funktionierende Eigenständigkeit. In enger Zusammenarbeit mit dem Bistum Thiès und den Ordensschwestern der Filles du Saint Cœur de Marie stellt die Station die medizinische Versorgung der Region sicher. Die Einrichtung verfügt über ein Gebärzimmer, ein Labor und eine eigene Apotheke. Die Architektur der Station ist durchdacht: Lokal produzierte Terrakotta-Klimaziegel halten die Innenräume auf natürliche Weise kühl, während eine Solaranlage für sauberen Strom sorgt. Mittlerweile trägt sich die Station vollständig selbst. Neben steigenden Geburtenzahlen wurde das Angebot vor wenigen Monaten um eine Mütterberatung und ein Hilfsprogramm für unterernährte Kinder erweitert. Da es in der ländlichen Region kaum medizinische Alternativen gibt, nehmen viele Patienten lange Wege mit Eselkarren oder Autos auf sich – im Notfall übernimmt sogar der lokale Pfarrer Krankentransporte.

Am Nachmittag stand der Besuch der Schule Sainte Croix in Bambey auf dem Programm. Diese Einrichtung gehört zu den ersten Bildungsprojekten, die von „Hand für Afrika“ gefördert wurden. Die kontinuierliche Unterstützung trägt Früchte: Die Schule verzeichnet seit Jahren wachsende Schülerzahlen und glänzt bei den staatlichen Prüfungen regelmässig mit überdurchschnittlichen Ergebnissen. Nach der Fertigstellung des bisher grössten Bauprojekts im Jahr 2025 präsentiert sich die Schule heute als moderner Campus. In dreijähriger Bauzeit entstand in Kooperation mit der Partnerorganisation Kinder in Not ein Areal, das vom Kindergarten über die Primarschule bis zum Collège alle Stufen vereint – ergänzt durch einen Sportplatz, einen Spielplatz und neue Sanitäranlagen.

Der Tag endete mit der Rückkehr ins Maison du Prêtre, wo die gemeinsame Vorbereitung des Abendessens den Übergang in den Feierabend markierten.

Mittwoch, 18. März 2026: Einweihung des Collège Paul VI in Diourbel und Marktbesuch in Thiès

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen eines grossen Etappenziels: der offiziellen Einweihung des Collège Paul VI in Diourbel, rund 150 Kilometer von Dakar entfernt. Dieses Bildungsprojekt leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Bekämpfung des Analphabetismus in der Region. Die Schule blickt auf hervorragende Leistungsdaten zurück – darunter eine Erfolgsquote von fast 98,5 % bei den staatlichen Abschlussprüfungen. Zudem setzt das Collège mit einem Mädchenanteil von 54 % bei rund 400 Schülerinnen und Schülern ein starkes Zeichen für die Bildungsgerechtigkeit. Aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums und wiederkehrender Überschwemmungen war eine umfassende Erweiterung und Sanierung dringend notwendig geworden.

Das fertiggestellte Projekt umfasst:

  • Zwei neue Gebäudeblöcke mit insgesamt 18 Klassenzimmern sowie acht komplett sanierte Klassenräume.
  • Einen neuen Multifunktions-Sportplatz.
  • Einen Internatsschlafsaal mit 20 Betten.
  • Moderne Sanitäranlagen, eine neue Hofpflasterung und eine sichere Umgrenzungsmauer.

Durch diese Infrastrukturmassnahmen wird den Kindern in Diourbel eine lückenlose und sichere Schullaufbahn von der Grundschule bis zum Abschluss ermöglicht.

Die feierliche Eröffnung wurde von der lokalen Bevölkerung und den Projektpartnern mit grosser Freude und Dankbarkeit begangen.

 

Nach den offiziellen Feierlichkeiten nutzte ein Teil der Reisenden den Abend für einen Besuch auf dem traditionellen Markt in Thiès. Das geschäftige Treiben in den engen Gassen, das Angebot an typischen Wachsdruck-Stoffen, handgemachtem Schmuck, frischem Gemüse und fangfrischem Fisch bietet immer wieder einen unverfälschten Einblick in den senegalesischen Alltag.

Donnerstag, 19. März 2026: Infrastruktur in Diohine und Landwirtschaftsprojekt in Godèle

Am Donnerstag wurden weitere Projektstandorte besichtigt. In der Nähe von Diohine, im Ort Mbélonghout Isma, besuchte die Delegation die im Vorjahr errichteten Infrastrukturen. Mit dem Bau von zwei modernen Klassenzimmern und der Bereitstellung von 70 Schulbänken konnten provisorische Unterkünfte durch eine feste und lernfreundliche Umgebung ersetzt werden.

Anschliessend reiste die Gruppe weiter nach Godèle, um das dortige Landwirtschaftsprojekt zu begutachten. Die Initiative wurde bereits im Jahr 2010 gemeinsam mit der lokalen Caritas ins Leben gerufen, mit dem Ziel, moderne Agrarzonen zu schaffen, die Ernährungssicherheit zu garantieren und der ländlichen Bevölkerung eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten. Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, wurde das Areal über die Jahre kontinuierlich um Wassertürme, Solaranlagen und sanitäre Einrichtungen erweitert. Ein zentraler Meilenstein war der Bau eines Antisalz-Damms im Jahr 2018, der das Versalzen des Bodens verhinderte und die Fruchtbarkeit der Felder dauerhaft sicherte. Im Jahr 2021 wurde das Projekt zudem um drei Getreidemühlen und neue Gärtnereien ergänzt, was insbesondere für die Frauen im Dorf eine erhebliche Arbeitserleichterung darstellt.

 

Die Erfolge des Projekts in Godèle sind vielschichtig:

  • Arbeitsplätze: Es wurden über 80 direkte Arbeitsplätze geschaffen.
  • Zeitersparnis: Die maschinelle Unterstützung reduziert die tägliche Arbeitszeit der Landwirte um bis zu 70 %.
  • Demografische Stabilisierung: Die Abwanderung der Jugend in die urbanen Zentren konnte gestoppt werden; viele junge Menschen kehren zurück, da sie vor Ort eine verlässliche Existenzgrundlage finden.
  • Ernährungssicherheit: Mehrere Ernten pro Jahr sichern nicht nur den Eigenbedarf der Familien, sondern ermöglichen auch den gewinnbringenden Verkauf von Überschüssen auf den lokalen Märkten.

Freitag, 20. März 2026: Evaluation und Ausblick auf zukünftige Projekte

Der Freitag war der Begutachtung und Besprechung potenzieller neuer Projekte sowie der Evaluation zukünftiger Entwicklungszusammenarbeiten gewidmet, um die Mittel des Vereins auch weiterhin dort einzusetzen, wo Hilfe zur Selbsthilfe am dringendsten benötigt wird.

Samstag, 21. März 2026: Kultur in Dakar und diplomatischer Austausch

Der letzte gemeinsame Tag der Reise begann in Dakar mit dem Besuch des Monuments der afrikanischen Wiedergeburt. Nach dem Aufstieg über die 198 Stufen des Denkmals bot sich der Gruppe ein weiter Ausblick über die Metropole, gefolgt von einer Stadtrundfahrt durch die verschiedenen Viertel Dakars.

Ein Höhepunkt fand zur Mittagszeit statt: Die Delegation traf sich zu einem Gespräch mit der Schweizer Botschafterin Tamara Mona und Amanda Ammann, Expertin für Wasser und Infrastruktur beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Im Zentrum des Austauschs standen die Zukunftsperspektiven des Senegals, die Herausforderungen im Infrastrukturbereich sowie die Zusammenarbeit mit „Hand für Afrika“ im Senegal.

Empfang in der Botschaft

Am Nachmittag trennten sich die Wege der Reisegruppe. Während ein Teil des Vorstandes die Heimreise in die Schweiz antrat, nutzten andere Mitglieder die Gelegenheit, um privat weitere Regionen des Landes zu bereisen – einige zog es in den geschichtsträchtigen Norden nach Saint-Louis, andere in den Süden des Landes.

Fazit: Gemeinsam Spuren hinterlassen

Die Projektreise im März 2026 hat eindrücklich gezeigt, dass die realisierten Bauten und Programme von der lokalen Bevölkerung im Senegal nicht nur dankbar angenommen, sondern auch eigenverantwortlich gepflegt und erfolgreich bewirtschaftet werden. Die tiefen Partnerschaften vor Ort und die Begegnungen während der Eröffnungsfeiern bestätigen das Kernanliegen des Vereins: Die Unterstützung und Hilfe kommt direkt bei den Menschen an und fördert Nachhaltig die Entwicklung.